Gute Arbeit – Ausgabe 2017

Streit um Zeit – Arbeitszeit und Gesundheit


Wem gehört die Zeit? Die Gewerkschaften müssen streiten für humane Arbeitszeitgestaltung. Das ist das Thema der 2017er Ausgabe des Jahrbuches Gute Arbeit, das gerade im Frankfurter Bund-Verlag erschienen ist. Die dort vorgenommene Bestandsaufnahme zeigt: Die Arbeitszeitlandschaft zerfasert. Extrem lange Wochenarbeitszeiten sind für Viele der Alltag. Immer mehr Beschäftigte arbeiten abends, nachts, samstags, sonntags und in Schicht oder auf Abruf. Erholung bleibt auf der Strecke. Arbeitszeiten „verfallen“. Erwartungen an ständige Erreichbarkeit nehmen rapide zu. Arbeit und Privatleben lassen sich oft schwer miteinander vereinbaren. Arbeitszeit ist Stressfaktor Nummer Eins, ist zunehmend belastend und gesundheitlich riskant. Das belegen die Beiträge angesehener Arbeitswissenschaftler im Buch.

Das Buch offenbart aber auch die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Befunden und der betrieblichen Realität. Die Zeit gehört offenbar nicht den Beschäftigten. Den Weg in die digitale Arbeitswelt erleben sie vor allem als fremdbestimmte Flexibilisierung. Humane Arbeitszeitgestaltung, so Mitherausgeber und ver.di-Vorstandsmitglied Lothar Schröder, geht aber nur mit mehr Zeitsouveränität der Beschäftigten. Sie wollen mitbestimmen über Arbeitsdauer und -intensität, über Lage, Verteilung und Rhythmus der Arbeitszeit.

Der Konflikt um Arbeits- und arbeitsfreie Zeit hat auch die Politik erreicht. Das zeigte kürzlich die Konferenz „Arbeit 4.0“ des Bundesarbeitsministeriums. Es geht vor allem um das Arbeitszeitgesetz. Die Arbeitgeber verlangen im Grunde schrankenlose Verfügbarkeit über die Arbeitskraft. Überall und jederzeit. Jetzt gleich. Ohne lästige Regelungen. Das ist das Gegenteil von humaner Arbeitszeitgestaltung. Denn, so Mitherausgeber Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall: Dauerhafte Arbeitszeitverlängerungen und verkürzte Ruhezeiten sind nur um den Preis weiter steigender Gesundheitsrisiken zu haben. Urban verweist deshalb auf das Regulierungsdreieck aus dem Acht-Stunden-Tag, der 40-Stunden-Woche und der Mindestruhezeit von elf Stunden. Das ist kein „beengendes Korsett“, das ist die Haltelinie, hinter die es nicht zurückgehen sollte.

In dem Buch diskutieren insgesamt 40 Fachleute aus Gewerkschaften, Wissenschaft und betrieblicher Praxis die Aufgaben guter Arbeitszeitgestaltung in einer digitalisierten Welt. Es schreiben unter anderem: Lothar Schröder, Hans-Jürgen Urban, Jörg Hofmann, Andrea Kocsis, Andrea Fergen, Hilde Wagner, Norbert Reuter, Isabel Rothe, Steffen Lehndorff, Friedhelm Nachreiner, Reinhard Bispinck.


Lothar Schröder/Hans-Jürgen Urban (Hrsg.): Streit um Zeit – Arbeitszeit und Gesundheit. Jahrbuch Gute Arbeit Ausgabe 2017. 384 Seiten. ISBN 978-3-7663-6524-8. Das Buch enthält 27 Beiträge von 40 Autorinnen und Autoren. Buchhandelspreis 39,90 Euro; Sonderausgaben für Mitglieder von IG Metall und ver.di.

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